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Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Christof Kessler

Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald

Telefon: +49 (0) 38 34 86-68 15
E-Mail: kessler[at]uni-greifswald.de

Tele-Stroke

Telemedizin ermöglicht flächendeckend eine schnelle Versorgung von Schlaganfallpatienten.

Menschen mit einem Schlaganfall müssen umgehend in einer spezialisierten Stroke Unit behandelt werden. Davon gibt es deutschlandweit knapp 250. Nach Einlieferung in die Notaufnahme der Klinik wird nach einer neurologischen Untersuchung unverzüglich durch eine CCT bzw. MRT zwischen einer Ischämie und einer Blutung differenziert. Falls der Patient im Zeitfenster von vier Stunden für eine systemische Lyse und von sechs Stunden für eine lokale Lyse gekommen ist, wird eine thrombusauflösende Therapie mit gewebespezifischem Plasminogenaktivator (rtPA) begonnen. Hierbei handelt es sich um die einzige durch klinische Studien erwiesene und evidenzbasierte Therapie des akuten Schlaganfalls.

In dünn besiedelten Gebieten mit geringer Krankenhausdichte stellt dieses enge Zeitfenster von maximal sechs Stunden nach Ereignisbeginn eine große Herausforderung dar. Allein der Transport in eine Spezialklinik kann in Mecklenburg- Vorpommern häufig fast eine Stunde dauern.

In der Euroregion POMERANIA bildet das Projekt Tele-Stroke eine Brücke. So versorgt die Universitätsmedizin Greifswald als überregionales Zentrum die Kliniken in Bergen, Ribnitz-Damgarten und Ueckermünde, die zwar über keine Stroke Unit verfügen, jedoch durch die Anbindung an das Tele-Stroke-Netz in die Lage versetzt werden, akute Lysen durchzuführen. Daneben tauschen sich die Kliniken mit den Schlaganfallzentren in Eberswalde und Schwedt aus.

Wie funktioniert das Tele-Stroke-Netz?

Nachdem die CT-Aufnahmen erstellt worden sind, werden die Bilder über eine gesicherte Datenleitung nach Greifswald übertragen und hier in Absprache mit einem mit der Versorgung von Schlaganfallpatienten erfahrenen Neurologen vom Neuroradiologen befundet. Daneben können die Neurologen über eine Videoverbindung mit dem Patienten sprechen und eine vollständige neurologische Untersuchung durchführen, die den einschlägigen Standards entspricht. Ist dann die Indikation vorhanden und befindet sich der Patient noch im Zeitfenster, wird die Thrombolyse vor Ort durchgeführt. Liegt ein kompletter Verschluss eines intrakraniellen Gefäßes vor, wird die Behandlung lokal im überregionalen Schlaganfallzentrum Greifswald fortgesetzt. Hierzu ist ein Hubschraubertransport notwendig.

Neben einer schnellen Erstversorgung ist auch die Überwachung und Behandlung in der Zeit nach dem Schlaganfall von großer Wichtigkeit. Hier gilt es, durch ein kontinuierliches Monitoring zusätzliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Um dies zu gewährleisten, sind tägliche telemedizinische Visiten durch den Neurologen erforderlich. Ziel ist es, dass die Greifswalder Neurologen die Patienten in den entfernten Kliniken regelmäßig beurteilen und bei der Therapie beratend zur Seite stehen können.

Je schneller ein Schlaganfallpatient versorgt wird, desto besser sind seine Chancen auf vollständige Genesung. Dabei sichert die Tele-Stroke eine schnelle Erstversorgung und bringt das nötige neurologische Spezialwissen an verschiedene Orte. Im Endeffekt werden so künftig viele Patienten, die bisher aufgrund der geografischen Gegebenheiten unter einer Versorgungslücke zu leiden hatten, optimal versorgt – egal wo sie leben. Die Verantwortlichen des Projektes Tele-Stroke im POMERANIANetzwerk erwarten, dass in Zukunft vom überregionalen Tele-Zentrum Greifswald jährlich mehr als 500 Patienten telemedizinisch versorgt werden.