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Ansprechpartner

Rico Großjohann

Dipl.-Physiker in der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin
Greifswald, Arbeitsbereich Experimentelle Ophthalmologie und Telemedizin

Telefon: +49 (0) 38 34 86-59 10
E-Mail: rico.grossjohann[at]uni-greifswald.de

Prof. Dr. Frank Tost

Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald

Tele-Ophthalmologie

Wie Fachärzte verschiedener Disziplinen das Auge als diagnostisches Fenster nutzen.

Aufgrund der demographischen Entwicklung nehmen in Deutschland der Bedarf an und auch die Bedürfnisse in der Augenheilkunde stetig zu. Als Beispiel seien lediglich altersbedingte Netzhautveränderungen genannt, die beim Diabetes entstehen können und sich verstärken, wenn der Patient gleichzeitig unter hohem Blutdruck leidet. Bei der Behandlung ist also nicht nur der Ophthalmologe gefragt, sondern auch andere Fachdisziplinen – und auch deren Patienten können gleichsam von der Augenheilkunde profitieren.

Im Rahmen der Tele-Ophthalmologie im POMERANIA-Netzwerk übernehmen die Fachärzte der Universitätsmedizin Greifswald die interdisziplinäre Befundung für das Krankenhaus in Wolgast. Dazu wurde dort in der internistischen Abteilung ein System zur optischen Kohärenztomografie (OCT) installiert. Dieses laseroptische Bildgebungsverfahren visualisiert die einzelnen Netzhautschichten inklusive der Blutgefäße.

Im Rahmen einer Untersuchung erstellen die Internisten nun Aufnahmen des Augenhintergrundes sowie des vorderen Augenabschnitts und senden sie über eine Hochgeschwindigkeits- Standleitung nach Greifswald. Dort erfolgt die Diagnostik durch Fachärzte, die den Befund auf gleichem Wege an die Kollegen zurücksenden.

Die interdisziplinäre Patientenversorgung zeigt hier vielfältige Vorteile. So lässt eine genaue Vermessung der Blutgefäße im Auge beispielsweise Rückschlüsse auf den Erfolg der Blutdruck- und Blutzuckereinstellung bei Diabetikern zu. Darüber hinaus wird die Augenheilkunde präventiv tätig, da sie das Sehorgan als diagnostisches Fenster betrachtet. So können anhand der Adern und Venen im Auge das Risiko von Diabetes, Bluthochdruck oder eines Schlaganfalls eingeschätzt werden. Auch bei Notfällen erweist sich das Verfahren als hilfreich.

Mit der Tele-Ophthalmologie wird es möglich, kostenintensive Hightech- Geräte auch in kleineren Krankenhäusern zu nutzen. Das OCT-System in Wolgast wurde beispielsweise gemeinsam beschafft und trägt nun maßgeblich zu einer optimalen fächerübergreifenden Patientenversor- gung bei.

Im POMERANIA-Netzwerk ist neben dem klinischen auch ein wissenschaftliches Szenario realisiert. So tauschen die Universitätskliniken Greifswald und Stettin (Szczecin) Daten und Informationen zu Augenerkrankungen aus. Daraus werden wichtige Rückschlüsse im Rahmen der Versorgungsforschung gezogen.

Die Tele-Ophthalmologie und die gemeinsame Gerätenutzung erleichtern die Forschung generell und erlauben es speziell auch Häusern ohne eine solche Fachabteilung, daran teilzuhaben. Ein fachübergreifender Forschungsansatz, der sonst in der Regel nur an Universitätskliniken gegeben ist, lässt sich unkompliziert auf andere Einrichtungen ausweiten. Zusätzlich eröffnen sich den Ärzten dort auf diese Weise effektive Möglichkeiten zur Weiterbildung.